22.04.2026 - 13:45
Pressemitteilung VR PLUS zur wirtschaftlichen Lage: VR PLUS steht vor entscheidender Neuausrichtung
Dauerhafte Verluste im Warengeschäft und regulatorische Vorgaben erfordern die Trennung von Bank und Ware. Im Warenbereich 20 Millionen Euro Verlust in den letzten acht Jahren. Zusätzlich Investitionsstau in Höhe von 30 Millionen Euro.
Die VR PLUS Altmark-Wendland eG muss sich nach mehreren schwierigen Jahren neu aufstellen, um wirtschaftlich wieder auf sicheren Füßen zu stehen und einen Neustrukturierungsprozess umsetzen. Die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025, eine mehrjährige Ergebnisanalyse sowie Gespräche mit der Bankenaufsicht lassen den Vorstand zu dem Schluss kommen, dass nur die
Trennung des Warengeschäfts (TEAM – Technik, Energie, Agrar, Markt) vom Bankgeschäft eine Zukunftsperspektive für die VR PLUS bietet.
„Leider ist das Warengeschäft der VR PLUS seit Jahren nicht auskömmlich. Im Geschäftsjahr 2025 belief sich das operative Defizit im Warensegment auf über neun Millionen Euro. Über die vergangenen acht Jahre summieren sich die operativen Verluste auf mehr als 22 Millionen Euro. Diese Defizite kann das Bankgeschäft nicht länger kompensieren“, ordnet Thorsten Briest, Vorstand der VR PLUS, ein und betont gleichzeitig: „Wir sehen mit Respekt und Hochachtung, was lange Zeit die VR PLUS für ihre Mitglieder, für die Landwirtschaft und für die Altmark und das Wendland geleistet hat. Umso mehr bedauern wir, dass durch die Selbstbeschäftigung mit internen Konflikten sowie nicht ausreichenden Entscheidungen eine Situation entstanden ist, in der die Handlungsmöglichkeiten beschränkt sind. Verschlimmert wird die Lage durch einen erheblichen Investitionsstau. Nach internen Analysen wären Investitionen in einer Größenordnung von rund dreißig Millionen Euro erforderlich, um Standorte, Technik und Prozesse wieder nachhaltig wettbewerbsfähig aufzustellen.
Eine Bank mit Ertragskraft – aber ohne weitere Puffer
Die Bank selbst hat in den vergangenen Jahren operativ solide Ergebnisse erzielt. Über denselben Achtjahreszeitraum erwirtschaftete sie kumuliert rund dreißig Millionen Euro operativen Überschuss. Diese Ertragskraft wurde jedoch zunehmend durch die Verluste im Warengeschäft aufgezehrt. Lange Zeit konnte das Gesamtergebnis durch Reserven und Sondereffekte stabil gehalten
werden. Dieser Spielraum ist inzwischen nahezu vollständig ausgeschöpft. Bereits 2024 rutschte das operative Gesamtergebnis der VR PLUS erstmals ins Minus, 2025 folgte ein deutlicher Gesamtverlust, der durch die Auflösung von Eigenkapital ausgeglichen werden musste. „Das Problem liegt damit nicht in der fehlenden Leistungsfähigkeit der Bank, sondern in der Kombination aus dauerhaft defizitärem Warengeschäft und begrenzter Kapitaldecke“, erklärt Mathias Knoll, Vorstand der VR PLUS.
Regulatorischer Rahmen verschärft die Lage erheblich
Als Genossenschaftsbank unterliegt die VR PLUS den Vorgaben des Kreditwesengesetzes. Sämtliche bilanzwirksamen Geschäfte – einschließlich des Warengeschäfts – müssen mit Eigenkapital
unterlegt werden. Die Bank steht daher inzwischen im Fokus der Bankenaufsicht. In Prüfungen wurden erhebliche Mängel festgestellt, die zu zusätzlichen Eigenkapitalanforderungen geführt
haben. Die zulässigen Kapitalgrenzen wurden zeitweise bereits unterschritten. „Wir müssen Eigenkapitalzuschläge in Höhe von fast zwei Prozentpunkten verkraften. Das hindert uns an notwendigen Investitionen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit als Bank zu erhalten“, erläutert Vorstand Christoph Feil. Ein Verbleib in der bisherigen Struktur würde zum Ende der eigenen Handlungsfähigkeit und absehbar zu einer extern gesteuerten Sanierung führen. Die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken hat den Vorstand deshalb verpflichtet, das Geschäftsmodell neu auszurichten.
Optionen geprüft
Vor diesem Hintergrund wurden sämtliche denkbare Optionen geprüft. Eine Sanierung des Warengeschäfts aus eigener Kraft – ob innerhalb einer gemeinsamen Gesellschaft oder Gründung einer
eigenständigen Tochtergesellschaft – scheidet aus, da weder das erforderliche Kapital noch die notwendige Zeit zur Verfügung stehen. Die Bank muss die Eigenkapitalsituation im Laufe des Geschäftsjahres stabilisieren. Auch ein Gesamtverkauf des Warengeschäfts als Ganzes erweist sich als unrealistisch, da es keinen belastbaren Interessenten gibt, der alle Sparten zugleich übernehmen, die notwendigen Investitionen leisten und Arbeitsplätze verlässlich sichern könnte.
Trennung als Voraussetzung für Zukunftssicherung
Der Vorstand sieht daher nur einen geeigneten Weg: die geordnete Trennung von Bank und Warengeschäft und die Veräußerung der Warengeschäftsfelder an spezialisierte Erwerber. Durch die
bilanzielle Entlastung kann die Bank ihre Eigenkapitalquote stabilisieren, aufsichtsrechtliche Anforderungen erfüllen und dauerhaft als verlässlicher Finanzpartner für Landwirtschaft, Handwerk,
Unternehmen und Privatkunden in der Region bestehen. Gleichzeitig eröffnet dieser Weg die realistische Chance, die Versorgung der Landwirtschaft in der Region zu erhalten und möglichst viele der rund 600 Arbeitsplätze im Warengeschäft bei neuen Eigentümern sowie die bestehenden Arbeitsplätze in der Bank zu sichern.
Der Vorstand betont, dass diese Entscheidung keinen Bruch mit der genossenschaftlichen Idee darstellt, sondern im Kern ihrem Zweck dient. „Die VR PLUS war immer Mittel zum Zweck, nie
Selbstzweck. Ziel war und ist die Förderung der Mitglieder und die Stärkung der Region.“, betont Christoph Feil, Vorstand der VR PLUS. „In der aktuellen Situation bedeutet dies, die wirtschaftlich
nicht mehr tragfähige Unternehmenshülle aufzugeben, um den Nutzen für Mitglieder, Beschäftigte und Region zu bewahren.“
In den nächsten Wochen haben die Mitglieder die Möglichkeit, sich im Rahmen mehrerer Informationsveranstaltungen intensiv über die wirtschaftliche Lage und die geplante Trennung von Bank und Warengeschäft zu informieren. Die Entscheidung über diesen Weg fällen die Mitglieder der VR PLUS in einer außerordentlichen Generalversammlung am 11. Mai. „Wenn die Ertragslage und die Eigenkapitalsituation der Bank angespannt bleiben und keine Lösung in Form des geplanten Neustrukturierungskonzepts erkennbar wird, muss davon ausgegangen werden, dass die Bankenaufsicht handelt. Wenn man so will, sind wir auf Bewährung, um eine grundlegende Verbesserung einzuleiten. Eine Zustimmung aber bedeutet Luft zum Atmen und zur Neuausrichtung der VR PLUS unter Bewahrung dessen, was sie in den vergangenen Jahrzehnten ausgemacht hat – nur eben nun mit Blick auf die Ware in anderen Händen“, fasst Thorsten Briest die Lage zusammen.